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1. Wanderungen im Wipptal in Tirol
2. Annapurna-Circuit
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Es machten sich 19 Interessenten auf die Reise :
Gerd Andresen, Anne Dümke, Gerd Engelke, Jutta und Peter Erichsen, Maria Evers, Dieter Holfert, Karin und Herbert Hanno, Traute Kneller, Anne und Klaus Kube, Rosemarie und Lorenz Matzen, Barbara Rademacher, Günter Schlotfeld, Wolfgang Stern sowie Elfriede und Harm Vollmar.
Für alle sind Quartiere im Gasthof Egg in Obernberg am Brenner gebucht. Unser Urlaubsgebiet liegt nördlich der Grenze zu Italien, also in Österreich.

Samstag, 23.07.2005
Anreise über Innsbruck, Steinach und Gries nach Obernberg am Brenner (1.394 m)
Von Kempten aus haben wir nur eine kurze Anreise, sind also verhältnismäßig früh im Quartier. Elfriede und Harm sind noch früher angekommen und begrüßen uns mit einer zunächst schockierenden Nachricht. Anne D. u. Günter haben bei der Anreise am Morgen in der Nähe von Nürnberg mit dem Auto einen Unfall auf der Autobahn gehabt. Anne ist zur Untersuchung in ein Krankenhaus gekommen, Günter ist unverletzt, das Auto hat einen Totalschaden. Jutta und ich senden den Beiden per SMS beste Wünsche. Bei Anne werden Prellungen festgestellt. Sie wird noch am gleichen Tag aus dem Krankenhaus entlassen. Glücklicherweise gelingt es, mit ihrem in der Nähe wohnenden Sohn Kontakt aufzunehmen. Annes späteren Anruf können wir nicht direkt annehmen; sie hat aber auf die Mailbox gesprochen, dass sie sich so weit "berappelt", dass sie mit dem Zug nach Flensburg zurückfährt. Sie bittet, dass wir uns um Günter kümmern. Günter mietet sich einen Pkw, fährt damit bis Garmisch und will am nächsten Tag mit dem Zug zu uns kommen. Wir sind nach dem ersten Schock etwas erleichtert, dass den Beiden noch schlimmeres erspart geblieben ist. Die übrigen Teilnehmer kommen alle heil in unserem Urlaubsquartier an. Der Gasthof Egg wird familiär geführt. In den einfach eingerichteten Zimmern haben wir eine Waschgelegenheit, Dusche und WC sind auf dem Flur. Das Essen, (dreigängiges Abendessen mit Auswahl aus zwei Menüs und Frühstück) ist schmackhaft und gut. Die Bedienung ist ausgesprochen aufmerksam und freundlich. Selbst der Wunsch nach einem Krug Leitungswasser zum Abendessen wird selbstverständlich erfüllt.
Sonntag, 24.07.2005
Einwandern um den Obernberger See (1.590 m)
Nach der langen Anreise, von Flensburg bis Obernberg sind es auf direktem Wege rund 1.130 km, geht es heute ruhig an. Das Frühstück ist nicht zu früh angesetzt. Es besteht ausreichend Zeit, für den Abmarsch alles in Ruhe vorzubereiten. Elfriede und Harm übernehmen es, Günter mittags vom Bahnhof abzuholen. Gerd E. führt die Gruppe über die bewaldeten Hänge des Tales mit dem Seebach. Unser Ziel ist der Obernberger See. Es geht sanft bergan in einem Tempo, das jeder mitgehen kann. Die größte Höhe, die wir dabei erreichen, ist 1.780 m. Knapp 400 Höhenmeter sind kein Problem. Am See machen wir den kleinen Abstecher zur Kapelle "Maria am See", die nur über eine Brücke zu erreichen ist. Sie ist 1935 aus Natursteinen erbaut. Die Decke dieser sehr schönen Kapelle ist mit farbenfrohen Deckenmalereien geschmückt. Nachdem wir den See umrundet haben, gehen wir zum "Gasthof am See". Wir haben zwar keinen strahlenden Sonnenschein, das Wetter ist aber so, dass wir alle draußen sitzen können. Jutta und ich essen mal wieder Kaiserschmarrn. Der gehört für uns zum Pflichtprogramm eines Bergurlaubs in Österreich. Lecker! Zwischendurch wird mit der schlagfertigen Bedienung gescherzt und dabei herzhaft gelacht. In der Woche betreut sie in einem Heim alte Menschen; sie weiß aber auch sehr gut mit Bergwanderern umzugehen. Die Hütte ist geschmackvoll mit Liebe zum Detail und witzigen Dekorationen
eingerichtet. Um 15 Uhr sind wir zurück im Quartier und können auch Günter begrüßen, der uns über den Unfall berichtet. Man spürt, dass dieses Ereignis seine Spuren hinterlassen hat. Alle bedauern, dass Anne D. nicht dabei ist. Ich schicke ihr eine SMS, die, wie wir später erfahren, Anne nicht erreicht hat, obwohl der Versand in der Telefonrechnung mit aufgeführt ist.
Montag, 25.07.2005
Übers das Nößlachjoch (2.231 m) zum Lichtsee (2.001 m)
und weiter über die Trunauhütte (1.722 m) nach Trins (1.235 m)
Wir haben gut geschlafen. Das Frühstück ist üppig, schmackhaft und bei Bedarf wird nachgereicht. Die Wirtin ist damit einverstanden, dass wir uns für die Brotzeit etwas mitnehmen; besonders berechnet wird das nicht. Um 08:30 Uhr fahren wir los. Um möglichst wenig Fahrzeuge zu bewegen, werden jeweils Fahrgemeinschaften gebildet. Auf dem Wege aus dem Tal heraus passieren wir stets die Baustelle, mit der aufwändig eine neue Straße für den Verkehr und ein neues Bett für den Seebach geschaffen werden soll. Von Steinach (1.050 m) schweben wir mit der Gondelbahn zunächst 1.000 m aufwärts zur Mittelstation an der Bergeralm und steigen hier in den Sessellift um, der uns weitere 450 m aufwärts bringt. Dabei erkennen wir, dass neue Skipisten mit Beschneiungsanlagen gebaut werden. Von der Endstation an der Nößlachjochhütte (2.022 m) ist es dann nicht mehr weit zum Nößlachjoch (2.231 m). Von hier oben genießen wir einen herrlichen Rundblick. Die Sonne lässt sich nicht blicken; es weht ein frischer Wind. Für unsere kleine Rast hatten wir uns daher eine geschützte Mulde ausgesucht. Anschließend steigen wir auch noch auf den Eggerberg (2.280 m), praktisch ein Zwillingsbruder des Nößlachjochs. Viele Teilnehmer äußern den Wunsch, statt direkt über die Gerichtsherrnalm zur Bergeralm zu wandern, doch zunächst zum Lichtsee zu gehen. Günter, unser Tourenführer, ist flexibel und willigt ein. Nach der Wegbeschreibung im Prospekt der Bergeralm bedeutet das, dass wir statt einer leichten Einlauftour eine Strecke vor uns haben, die insgesamt 5 ½ Stunden Gehzeit erfordert. Zum Lichtsee geht es recht einfach, meist leicht bergab. Bis 13:15 Uhr machen wir hier ½ Stunde Rast und stärken uns mit mitgebrachtem Wasser, Brot, Müsli-Riegeln und Obst (oder was jeder so dabei hat), bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Die Ausschilderung ist nicht optimal. Unterwegs müssen wir erkennen, dass wir die letzte Gondelabfahrt ab Bergeralm zeitlich nicht schaffen werden. Statt zur Gerichtsherrnalm gehen wir daher abwärts zur Trunauhütte, wo wir natürlich für eine Rast einkehren. Ein Blick auf die Wanderkarte zeigt,
dass wir bis Trins noch fast 500 m absteigen müssen. Bis Steinach ist es im Tal dann noch gut 3,5 km. In der Gaststube erkundigt sich Günter, ob nicht jemand mit einem Fahrzeug über den Forstweg nach Steinach fährt. Tatsächlich kann, wer möchte, auf dem Anhänger eines Traktors bis nach Steinach mitfahren. Einige gönnen sich das Vergnügen. Barbara lässt uns teilhaben an ihrer Freude über diese Gelegenheit und verspricht, uns in Trins mit ihrem Pkw abzuholen. Für die Unentwegten geht es um 15:30 Uhr dann durch den Wald sehr steil neben dem Trunabach ins Tal des Gschnitzbaches und dann fast eben etwa 1 km auf Asphalt bis nach Trins. Hier kommt uns Barbara auch schon entgegen gefahren und bringt die Fahrer der Pkw zum Parkplatz an der Gondelbahn in Steinach, so dass schließlich alle zur Rückfahrt nach Obernberg einsteigen können.
Dienstag, 26.07.2005
Von Igls (893 m) zum Patscherkofel (2.250 m), Meißner Haus (1.709 m) nach St. Peter (1.070 m)
Auf unseren besonderen Wunsch hin wird uns das Frühstück heute so früh serviert, dass wir bereits um 8 Uhr losfahren können nach Igls (893 m) zum Parkplatz der Patscherkofelbahn. Von hier aus geht es mit der großräumigen Kabinen-Seilbahn zum Patscherkofelhaus (1.964 m). Davon 5 Minuten entfernt liegt der Eingang zum höchsten botanischen Garten Österreichs, der von der Universität Innsbruck unterhaltene Innsbrucker Alpengarten. Interesse scheint nicht bei allen vorhanden zu sein. Es wird gesagt, dass für einen Rundgang (der Garten hat schließlich eine Fläche von zwei Hektar) keine Zeit zur Verfügung steht. Eigentlich wollten wir mit dem Gipfellift weiter auf den Patscherkofel (2.250 m) fahren. Dieser Lift ist aber nicht in Betrieb. Die knapp 300 Höhenmeter hinauf sind zu Fuß in einer Stunde geschafft. Der Weg geht vorbei an der riesigen Sendeanlage "Television". Sind solche Sendeanlagen die Gipfelkreuze der Neuzeit? Ich denke, das ist nicht zu befürchten; sie sind verhältnismäßig selten, und diese Anlage steht ja auch nicht ganz oben auf dem Patscherkofel. Weiter geht es, teilweise am Grat entlang, etwa 200 Höhenmeter tiefer zum Weg zur Boscheben-Hütte. Am Weg machen wir eine kurze Rast, bevor wir in den Wald mit vielen Zirben eintauchen. Um 12:15 Uhr sind wir am Meißner Haus (1.707 m). Der Florian - der Patron gegen Feuersgefahr - am Brunnen vor dem Haus ist auf jeden Fall ein Foto wert. Die Hütte wurde 1926 von der Sektion Meißen erbaut und 1968 - zu Zeiten der DDR - von der Sektion Ebersberg-Grafing übernommen. In zwei Räumen der Hütte stehen prachtvolle Kachelöfen.
Ein großer in grün-weiß mit bunt bemalten Kacheln im Hauptraum, gestiftet im Jahr der Erbauung der Hütte von der Ernst Teichert GmbH und ein etwas kleinerer in blau-weiß mit teilweise bemalten Kacheln in einem etwas kleineren Gastraum. Um 13 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Auch diesmal tun wir uns trotz Querpeilung erfahrener Navigatoren etwas schwer, den richtigen Weg zu finden. Bei der unpräzisen Beschilderung ist es schon schwer, unterwegs den eigenen Standort festzustellen. Als wir aus dem Wald herauskommen, sehen wir in der Nähe einen Ort, der sich um eine Kirche herum gruppiert. Dabei blicken wir über ein Feld mit leuchtend gelben Blüten der Schafgarbe. Im Hintergrund das Band der Brenner Autobahn. Ein schönes Bild.
Um 16 Uhr sind wir im Ort, es ist St. Peter. Von hier aus sind es noch ca. 7 km nach Igls, zu unseren Autos. Günter bemüht sich um eine Fahrgelegenheit. Ein Taxi ist nicht zu haben, zwei Straßenarbeiter wollen lieber pflichtbewusst ihre reguläre Arbeit verrichten. Schließlich erklärt sich ein freundlicher Mann bereit, die Fahrer der Fahrgemeinschaften mit seinem Kleinwagen zu ihren Autos zu bringen.
Es stellt sich heraus, dass es der Gemeindesekretär ist, der die Fahrt nicht bezahlt haben will. Er sieht die Fahrt vielmehr als seinen persönlichen Dienst an den Urlaubsgästen an. Öffentlich Bedienstete sind also doch nicht alle so schlecht wie ihr Ruf. Die zunächst Zurückgebliebenen ruhen sich aus und schauen sich die schöne Kirche auch von innen an. Ein Café bzw. Gasthaus hat leider Ruhetag.
Mittwoch, 27.07.2005
Vom Navistal zur Klammalm (1.946 m)
Um 08:30 Uhr fahren wir heute los über Steinach, Matrei und Navis zum "Parkplatz Grün" beim Lattererhof, dem Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung. Es stört uns in keiner Weise, dass der Parkscheinautomat defekt ist. Wir beginnen auf einer Höhe von 1.500 m. Durch die Nähe der Ausläufer der Tuxer Alpen ist die Landschaft heute besonders interessant. Wir erfreuen uns am Sonnenschein, am Anblick einiger Wasserfälle und staunen, welche Blütenvielfalt es auch in dieser Jahreszeit noch gibt. An der Peeralm gehen wir vorbei und kommen um 11:15 Uhr zur Klammalm (1.946 m).
Hier herrscht reger Betrieb. Ein Gast spielt Akkordeon, Rosi und Günter wagen zumindest ein kleines Tänzchen. Nach einer Stunde geht es zunächst auch nur eine Stunde weiter zur Poltenalm (1.880 m), wo wir uns schon die nächste Rast gönnen und fleißigen Helfern zuschauen, die auf großen Flächen Heu zusammenharken. Barbara juckt es in den Fingern, sie möchte sich auch als Erntehelfer verdingen. Nach ¾ Stunde geht es weiter. Das nächste Ziel ist die Naviser Hütte, eine leer stehende, nicht mehr genutzte Alpenvereinshütte.
Einige Unentwegte machen hierbei einen Umweg über die nahe Stöcklalm. Unterwegs erfreuen wir uns an einem Feld mit Wollgras. Gemeinsam geht es dann zur nächsten Rast, diesmal am Klammbach. Ein paar Wanderer nutzen die Gelegenheit, sich im kühlen Bachwasser zu erfrischen. Der Weg zum Parkplatz zieht sich noch ein wenig hin, aber alle erreichen ihn wohlbehalten um 15:30 Uhr. Auf der Rückfahrt machen wir Station an einem Supermarkt und kaufen Obst, Erfrischungsgetränke und zur Abrundung des schönen Tages Eis.
Donnerstag, 28.07.2005
Über den Brenner nach Italien, durch die Gilfen-Klamm und Besuch in Sterzing.
Auch heute soll die Sonne wieder kräftig scheinen. Wir haben uns daher für den Besuch der Gilfen-Klamm entschieden. Hierzu fahren wir über den Brenner nach Italien und südwärts über Sterzing nach Stange. Der Weg zur Gilfen-Klamm ist gut ausgeschildert. Der Höhenunterschied in der Klamm beträgt nur 175 m. Zunächst geht man durch Wald am Ratschinger Bach entlang. Dann steigen wir in Serpentinen und über Stiegen aufwärts, weiter über etliche Brücken und schließlich durch eine schmale Felskluft mit hoch aufragenden Wänden. Unten tobt der Bach, besonders bei dem etwa 15 m hohen Wasserfall. Im unteren Bereich weitet sich die enge Schlucht zu großen ausgewaschenen Kesseln. Hier, wo der Fels nicht überwachsen ist, erkennt man, dass die Felswände aus Marmor bestehen. Die Klamm bietet ein beeindruckendes Schauspiel in imposanter Naturkulisse.
Durch die feucht-kühle Luft spürt man hier nicht, dass es heute "draußen" sehr warm ist. Am Ende der Klamm trennt sich die Gruppe; ein Teil geht auf gleichem Wege zurück, um die Klamm noch einmal zu genießen, wir gehen "außen herum". Unterwegs statten wir noch der Ruine Reiffenegg einen Besuch ab. Als wir zum Eingang der Klamm zurückkehren, entdecken wir im Gebüsch eine kleine Maus.
Sie erkennt, dass wir alle freundliche Norddeutsche sind, die einer Maus nichts zu Leide tun können und verharrt bewegungslos auf ihrem Zweig, bis auch jeder aus der Gruppe sie bestaunt und Günter sie fotografiert hat.
Von Stange aus fahren wir zurück nach Sterzing. Es gibt 2 Stunden "Freizeit", die jeder nach eigenen Wünschen verbringen will. Auf dem Weg in die Altstadt beuge ich mich über einen Brunnen. Meine Kamera, die ich um den Hals trage, taucht dabei kurz in das Wasser ein. Ich trockne sie sofort mit einem Taschentuch von außen und innen; sie hat offensichtlich keinen Schaden genommen. Ein leckerer Eisbecher tröstet mich zumindest zeitweise. Um 15:30 Uhr treffen wir uns wieder und fahren nach Obernberg zurück.
Freitag, 29.07.2005
Von Kasern (1.650 m) über das Tuxer Joch (2.338 m) zum Tuxer-Joch-Haus 2.310 m)
Wir fahren heute wieder etwas früher los, durch das Schmirntal nach Kasern (1.650 m). Am Gasthaus parken wir die Fahrzeuge und machen uns um 9 Uhr auf den Weg. Der Weg durch den Kaserer Winkl östlich des Kaserer Bachs hat nur eine leichte Steigung. Zu beiden Seiten ragen Berge bis zu rund 2.450 m hoch. Als wir das Bachtal verlassen, beginnt der eigentliche Aufstieg. Insgesamt sind es heute 688 m. Der Weg ist sehr gut ausgebaut. Viele Blumen -eigentlich ein Blumenhang- und schöne Ausblicke, u. a. auf Wasserfälle, verschaffen uns immer wieder Verschnaufpausen; denn es muss ja fotografiert werden. Vom Joch (2.338 m) ist es dann nur noch ein kurzer Weg zum Tuxer-Joch-Haus (2.310 m). Auf der verglasten Terrasse machen wir Brotzeit.
Die Verglasung sieht zwar nicht besonders "zünftig" aus, ermöglicht uns aber einen sehr umfassenden Blick auf den Tuxer Ferner, einem Skigebiet mit der Zillertaler Gletscherbahn und etlichen Liftanlagen. Auch dieser Gletscher soll in den letzten Jahren stark zurückgegangen sein. Nachdem jetzt auch schon viel Schnee geschmolzen ist, kommt verschmutztes Eis zum Vorschein.
Das ganze macht einen etwas traurigen Eindruck. Barbara, Herbert und Gerd A. steigen noch zum Pfannenköpfel (2.388 m) hoch, um den Ausblick in das Weitental zu genießen. Nach der ausgiebigen Rast (11:45 - 13:15 Uhr) und einem "offiziellen Gruppenfoto" gehen wir auf gleichem Wege wieder nach Kasern zurück. Für den Abstieg brauchen wir eine Stunde weniger als für den Aufstieg. Um 15 Uhr wird dann unterm Sonnenschirm am Gasthaus wohlverdiente Torte und Kaffee serviert. Im altehrwürdigen Gasthaus schauen wir noch ein wenig in die Chronik des Tales mit historischen Fotos. Eine kräftige riesige Kiefer bei der Siegeleralm imponiert uns. Sie soll dort schon vor 1860 gestanden haben; damals aber wohl nicht in der heutigen Größe. Die Alm soll Treffpunkt für ein jährliches Sennerfest sein.
Gerd E. ist heute mit einem Teil unserer Gruppe ins Valser Tal gefahren und geht von St. Jodok (1.150 m) über den Jubiläumsweg zum Gasthaus Steckholzer (1.570 m). Einige Teilnehmer sind erstaunt, dass auch sie etliche Höhenmeter bewältigt haben. "Es hat gar nicht wehgetan."
Samstag 30.07.2005
Von Gschnitz (1.242 m) durch das Gschnitzbachtal zur Laponesalm (1.472 m).
Wer wollte, konnte heute wieder etwas länger schlafen. Für heute ist eine etwas kürzere und leichtere Tour angekündigt. Um 9 Uhr fahren wir über Steinach nach Gschnitz (1.242 m), parken hier die Fahrzeuge an der Kirche und machen uns auf den Weg zur Laponesalm (1.472 m). Wir haben nur eine Höhendifferenz von 230 m zu überwinden. Das schafft jeder. Wir gehen zunächst auf der Südseite des Gschnitzbaches auf Wald- und Wiesenwegen. Lediglich als wir einen Abstecher auf die Nordseite des Baches machen, wird es auf dem schmalen Wege am Hang über dem Bach zum Teil etwas beschwerlich. Später geht es wieder ohne große Höhenunterschiede weiter zur Laponesalm. Hier lassen wir uns Apfel- und Topfenstrudel schmecken und bewundern die vielfältigen Schnitzereien eines heimischen Künstlers. Bereits um 14:30 Uhr sind wir in Gschnitz zurück.
Sonntag, 31.07.2005
Ausflug nach Meran/Südtirol.
Heute am Sonntag soll jeder den Tag so gestalten können, wie er es möchte. Auch sollte Gelegenheit gegeben werden, am Obernberger Dorffest teilzunehmen. Da sich das Wetter verschlechtert hat, entschließen wir uns mit insgesamt 6 Personen, über den Brenner und Bozen nach Meran zu fahren. Die Strecke führt dabei zunächst durch das Eisacktal, das sich der Fluss, die Landstraße, die Eisenbahn und die Brennerautobahn teilen. Wir kommen vorbei an den Abfahrten nach Bruneck, Brixen mit Plose und ins Grödnertal. Alles Namen, die Erinnerungen an frühere Wander- und Skiurlaube wach werden lassen. Daher ist uns auch die abwechslungsreiche Landschaft, in der Wein und Obst angebaut wird, recht vertraut. In Meran bummeln wir bei regnerischem Wetter auf der Promenade an der Passer entlang, ein Stückchen durch den Botanischen Garten und durch die Innenstadt. Wir sind enttäuscht, dass nahezu alle Geschäfte geschlossen haben. Es ist ja schließlich Sonntag - auch in Italien. Mittags essen wir in einem sehr ansprechenden Lokal mit sehr attraktiver und auch sehr aufmerksamer Bedienung. Zurück fahren wir die stark kurvenreiche Straße über den Jaufenpaß (2.094 m). Als wir durch St. Leonhardt im Passeier Tal kommen, erinnern wir uns an unsere Wanderung auf dem E 5 im Jahre 1982. Auch damals regnete es hier. Zum Abendessen sind wir rechtzeitig zurück in Obernberg. Viele haben Unterschiedliches erlebt. Einige ließen sich durch das Wetter nicht davon abschrecken, trotzdem eine Bergtour zu machen. Das Dorffest fiel jedoch dem Wetter zum Opfer.
Montag, 01.08.2005
Im Valser Tal ab Gasthaus "Touristenrast" (1.345 m) zur Geraer Hütte (2.324 m).
Heute sollen wir zeigen, wie viel Kondition wir in den vergangenen Tagen aufgebaut haben. Auf dem Weg zur Geraer Hütte wollen wir 980 Höhenmeter aufsteigen. Daher starten wir auch schon um 08:45 Uhr beim Gasthaus "Touristenrast" im Valser Tal (1.345 m). Auch hier beginnt es zunächst mit sanfter Steigung, diesmal im Tal des Alpeiner Baches. Zwischen den Felswänden, die zu beiden Seiten des Tales aufragen, lässt sich der Nebel durch die höher steigende Sonne nur langsam vertreiben. Ein stimmungsvolles Schauspiel!

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Unterwegs begrüßen uns Murmeltiere. Der einfach begehbare Forstweg endet kurz hinter der Altereralm an der Talstation des Lastenliftes zur Geraer Hütte (2.324 m). Bald danach beginnt der steilere Abschnitt des Aufstieges, von dem wir jetzt noch 700 m vor uns haben. Die Wege sind auch hier gut begehbar. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind aber erträglich. Wieder erfreuen wir uns an den vielen Blumen und der Bergkulisse. Um 11:45 Uhr, nach 3 Stunden, erreichen wir die Hütte. Da ich ganz grob für 300 Höhenmeter
eine Stunde rechne, können wir mit unserer Leistung sehr zufrieden sein. Für die Rast nehmen wird uns 1 ½ Stunden. Barbara, Herbert und Gerd A. nutzen die Zeit wieder, noch ein Stückchen weiter zu gehen, um einen noch schöneren Ausblick zu haben. Die Hütte wurde 1895 von der Thüringischen Stadt Gera erbaut und dann von der Sektion Landshut übernommen. Diese Übernahme durch eine Sektion in Westdeutschland erinnert an das Meißner Haus. Stolze 110 Jahre ist die Hütte schon alt; für ihr Alter aber sehr rüstig! Auch für den Rückweg benötigen wir 3 Stunden. Das heutige Bergerlebnis können wir aber leider nicht spontan mit dem Genuss von Kaffee und Kuchen abschließen; die "Touristenrast" hat heute ihren Ruhetag. Aber auch so sind wir uns einig, dass wir einen sehr schönen Tag mit einer tollen Tour hatten.
Dienstag, 02.08.2005
Schonprogramm auf dem Steinacher Höhenweg, Dank an Günther und Gerd E.
Unser heutiges Tagesprogramm gleicht, im Vergleich zum Vortag, eher einer "Bewegungstherapie". Wir gehen in Siegreich (1.146 m) auf den Steinacher Höhenweg. Für Jutta und mich ist interessant, dass dieser Weg zu den in Österreich/Tirol verlaufenden Jakobswegen gerechnet wird. Das erinnert uns an unsere Wanderung auf diesem Pilgerweg in Nordspanien nach Santiago de Compostela. Heute gehen wir nach einem kurzem steilen Wegstück fast immer auf gleicher Höhe auf einem breiten Waldweg mit gelegentlichen Ausblicken auf Steinach und hinüber zum eleganten Band der Brennerautobahn. Unterwegs staunen wir über die vielen und großen Fliegenpilze. Unser Ziel ist Tienzens (1.159 m).
Hier holt Günter den zünftig großen Schlüssel für die kleine Kirche St. Ursula. Auch sie ist sehr schön ausgeschmückt. Im Inneren sind einige alte Fresken freigelegt worden. Nach einer Rast und einem Besuch bei den imposanten Schwarz-Hals-Ziegen auf einer nahen Wiese gehen wir auf dem gleichen Wege zurück und haben um 13:30 Uhr eine Strecke von etwa 13 km hinter uns gebracht.
Morgen früh muss Dieter zurück in den Norden. Günter nimmt die Gelegenheit wahr, bei ihm mitzufahren. Im Namen der Gruppe danke ich Günter für die Idee, mit uns nach Tirol zu fahren, für die Planung und Führung der Touren in wunderschöner Landschaft. Der Dank geht auch an Gerd E. für die Gesamt-Organisation der Anfahrt und des Quartiers und für das umfangreiche Info-Material, mit dem er uns versorgt hat sowie dafür, dass auch er hier in Tirol Touren führte. Als kleines Zeichen des großen Dankes an die beiden erhält jeder eine Flasche Marillenschnaps.
Wir sind alle der Meinung, zusammen eine gute Zeit gehabt zu haben.
Die Tradition, mit der Sektion Flensburg des DAV
In die Berge zu fahren, sollte fortgesetzt werden!
Mittwoch, 03.08.2005
Der letzte Tag in Tirol.
Günter und Dieter sind bereits vor dem gemeinsamen Frühstück abgefahren. Auch wir - Jutta und ich verabschieden uns von der Gruppe, weil wir zugesagt hatten, uns ab morgen um unsere Enkelkinder zu kümmern. Die Verbliebenen der Gruppe machen noch eine Abschiedstour.
Donnerstag, 04.08.2005
Individuelle Heimreise.
Alle machen sich mit individueller Streckenwahl und unterschiedlichen Zwischenstopps auf die Heimreise. Wir bedanken uns auch bei der Familie Egg.
Wir haben uns in ihrem Gasthaus in Obernberg am Brenner wohlgefühlt.
von Peter Erichsen
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Zweiter Versuch: Annapurna-Circuit
09.10. - 08.11.2005
Rosi Gerlich
Nachdem im vergangenen Jahr mein Traum von der Annapurna-Umrundung zwei Tage vor Abreise wie eine Seifenblase platzte, da die Tour mit dem Summit-Club aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde, wollte ich es nun eineinhalb Jahre später noch einmal - und zwar auf eigene Faust - versuchen. Ich hatte reichlich Zeit eingeplant, um für unvorhersehbare Zwischenfälle das Trekking ohne Weiteres einige Tage ausweiten zu können. Aber was sollte schon dazwischen kommen? Schließlich reiste ich zur besten Zeit mit dem beständigsten Wetter.
Der Flug von Frankfurt zunächst ins Scheichtum Bahrain verlief äußerst ruhig, der Weiterflug nach Kathmandu ebenfalls. Dort erhielten wir nach etlichen Ehrenrunden erst nach einem Umweg über Bangladesh eine Landeerlaubnis, da zuvor wegen Starker Thermik eine Landung nicht möglich war. Mein diesjähriger Aufenthalt in Nepal dauerte 29 Tage, 15 Tage davon war ich auf Trekkingtour, über die ich im Folgenden berichte.
Do 13.10.: Kathmandu (1300) - Dumre (500) - Besisahar (760) - Khudi (790) - Bhulbhule (840) - Fahrzeit: 7 Stunden, Trekkingzeit: 1 Stunde

Diese Busfahrt war katastrophal. Ich musste wieder aufs Dach, das dieses Mal völlig überfüllt war mit einheimischen Männern, bei denen allesamt das Deodorant versagte. Ich war die einzige Frau und fand nur noch einen unbequemen Sitzplatz völlig eingeklemmt zwischen einen Reservereifen. Getreu dem Motto: "Besser schlecht gefahren als gut gelaufen", kam ich mit blauen Flecken übersät und der Befürchtung in Khudi an, durch das krampfhafte Festhalten einen bösen Muskelkater zu bekommen. Die letzte Etappe zu Fuß nach Bhulbhule war dann die reinste Erholung.
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Die Fahrt nach Dumre war geprägt von bester Sicht auf Manaslu (8163) und Ganesh Himal (7405) sowie herrlich grünen und blühenden Landschaften. In Dumre Umsteigen in einen Local Bus nach Besisahar, in dem keine Sitzplätze mehr frei waren. Und was nicht in den Bus passt, kommt eben auf das Dach, so auch ich. Diese Busfahrt war die interessanteste meines Lebens mit viel Sonne und perfekter Sicht auf die Berge. Ich musste mich nur gut festhalten und ab und zu bücken wegen tief hängender Äste oder Stromleitungen. Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter in einem anderen Local Bus nach Khudi.
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Fr 14.10.: Bhulbhule (840) - Ngadi (930) - Bahundanda (1310) - Syanje (1100) - Trekkingzeit: 6 ½ Stunden
Heute lag der erste richtige Trekkingtag vor mir, den ich mit Pfannkuchen und Milchkaffee gestärkt recht früh mit meinem Guide startete.
Nach einer Stunde machten wir Pause in Ngadi. Inzwischen brannte die Sonne gnadenlos, dafür begleitete uns neben dem Marsyandi-River eine gigantische Natur mit Bananen-,
und Orangenbäumen, mit Bambus- und Marihuanasträuchern sowie einer farbenprächtigen Fauna mit Riesenlibellen und -schmetterlingen und hin und wieder auch Affen. Mittags machten wir Stopp in Bahundanda und setzten dann unseren Weg fort bis Syanje. Nach einer erfrischenden Dusche gesellte ich mich zu den bereits anwesenden Trekkern und verbrachte mit ihnen einen unterhaltsamen Abend im Garten bei leckeren Nudeln und
einem Bier.
Sa 15.10.: Syanje (1100) - Jagat (1300) - Chamje (1430) - Tal (1700) - Trekkingzeit: 6 Stunden
Beim Frühstück hörten wir, dass die Maoisten aktiv seien, also den Touristen Geld abknüpfen, um damit ihr fragwürdiges Engagement "für mehr Gerechtigkeit" zu finanzieren. Etwas argwöhnisch betrachtete ich jeden Einheimischen, aber es passierte den ganzen Tag über nichts
Und so war dieser Tag ein ganz normaler Trekkingtag, der uns wieder durch eine traumhafte Landschaft über Chamje nach Tal führte. Das Dorf Tal liegt im Distrikt Manang, in dem überwiegend Tibeter leben. Ich fühlte mich wie im Wilden Westen, da immer wieder Horden von Pferden durch das Dorf preschten und auch die Menschen nicht mehr so sanftmütig schienen wie zuvor die Gurungs.
So 16.10.: Tal (1700) - Dharapani (1860) - Bagarchap (2160) - Danagyu (2300) - Trekkingzeit: 4 ¾ Stunden
Der heutige Tag war wiederum geprägt von blauem Himmel und Sonne, die aber nicht mehr so heiß war. Die Etappe führte uns über Dharapani und Bagarchap nach Danagyu. Hinter Tal verließen wir die Bananenzone, in der Sonne war es noch herrlich warm, aber nach deren Untergehen wurde es plötzlich recht frisch. In Danagyu ist nichts los, die meisten Trekker gehen ein Dorf weiter, ich hatte mich aber bewusst für einen ruhigen Tag entschieden und dafür am kommenden Tag einen strammeren Masch geplant.
Mo 17.10.: Danagyu (2300) - Chame (2670) - Bhratang (2850) - Trekkingzeit: 6 ¾ Stunden
Nach einer sternenklaren und kalten Nacht erwartete uns ein strahlend blauer Himmel, allerdings war es sehr windig.

Trotz einer leichten Erkältung kamen wir besser als erwartet voran. Ein großer Teil der heutigen Etappe führte uns durch Kiefernwälder und am Lower Way, der am River entlang führt, beobachten wir eine Horde Affen von etwa 20 Tieren. Ein Teil des Weges war schwer gehbar, da es hier während des Monsuns mehrere Erdrutsche gab. Über Chame gelangten wir nach Bhratang, wo wir im Raju Hotel, einer extrem einfachen Unterkunft, auf einige alte Bekannte und wiederum viele neue trafen. Rund um den Ofen herrschte eine ausgesprochen gute Stimmung. Am liebsten hätte ich im Dining Room geschlafen, denn nun fingen die kalten Nächte an.
Di. 18.10.: Bhratang (2850) - Dhukure Pokhari (3060) - Upper Pisang (3300) - Ghyaru (3670) - Trekkingzeit: 5 ¼ Stunden
Um 06:00 Uhr stand ich auf mit einem rot entzündeten Hals und stellte fest, dass ich keine Halstabletten dabei hatte. Nach einer Pause in Dhukure Pokhari und einer weiteren in Upper Pisang verließen wir die Main Route und machten einen Umweg über den Höhenweg nach Ghyaru. Der Umweg war zunächst flach wie die Lüneburger Heide mit Kiefern, Wachholdersträuchern und Preiselbeeren. Nach einer Stunde ging es dann steil bergan. Die zunehmend dünnere Luft und meine Halsschmerzen machten mir etwas zu schaffen. Aber dieser Umweg hatte sich gelohnt, denn hier oben bot sich ein gigantischer Ausblick auf die Annapurna II.

Auch das Dorf war sehenswert, hier leben nur noch 100 Menschen, vor zehn Jahren waren es noch 500. Nach dem Abendessen wurde der Ofen geheizt und lockte die wenigen Übernachtungsgäste an sowie auch eine Ratte, die schnurstracks aus meinem Zimmer kam und mich veranlasste, eine Etage höher zu ziehen.
Mi 19.10.: Ghyaru (3670) - Braga (3360) - Manang (3540) - Trekkingzeit: 4 ½ Stunden
Der Tag begann mit halb blauem, halb bewölktem Himmel, nachts hatte es etwas geschneit, jedoch lag die Schneegrenze etwa 50 HM über uns. Frühmorgens war es recht frisch, mit zunehmender Sonne wurden die Temperaturen aber immer angenehmer und durch die Windstille erlebten wir einen herrlichen spätsommerlichen Vormittag. Da wir am Vortage aufgestiegen waren, ging es heute zunächst bergab nach Braga. Die Landschaft wurde nach und nach karger, wir befanden uns nun in Yak-Gebiet. Inzwischen waren dicke Wolken aufgezogen, in Braga fing es leicht zu nieseln an, aber bis Manang, unserem heutigen Tagesziel, war es ja nicht mehr weit. Kurz nachdem wir das Hotel erreicht hatten, fing es an zu schneien. Nach zwei Stunden schneite es immer noch und deshalb gönnte ich mir erst einmal einen Mittagsschlaf. Danach inspizierte ich das Dorf und entdeckte mehrere Bäckereien mit leckeren Kuchen, auch Blackforest Cake, aber ohne Kirschen. Da unser Hotel keinen Ofen hatte, ging ich früh schlafen mit Socken, Mütze, Fleece und Handschuhen. Nach und nach wurde mir warm und so zog ich mich Stück für Stück wieder aus und fiel in einen tiefen Schlaf.
Do. 20.10.: Manang
Nach dem Aufstehen ein erster Blick aus dem Fenster, der mich fast umwarf: Es schneite, dass ich kaum 10 m sehen konnte, und das offenbar bereits die ganze Nacht, denn die Schneehöhe dürfte etwa einen halben Meter erreicht haben. Meinen heutigen Tagesplan musste ich somit komplett ändern.
Anstatt Akklimatisation verbrachte ich den Tag mit einem Besuch im Cultural Museum und diversen Bakery-Besuchen, wo die Öfen gut geheizt wurden. Von den Einheimischen hörte ich, dass es in dieser Jahreszeit noch nie zuvor geschneit hatte. Und nun schneite es so stark, als würde es nie wieder aufhören zu schneien. Die Bäume trugen noch Laub und Äpfel, doch unter der Schneelast brachen die großen Äste ab. Und gestern wanderten wir noch kurzärmelig durch eine sommerlich grüne Natur! Bei einem erneuten Spaziergang durch Manang traf ich dann viele Trekker, die ich in den Tagen zuvor kennen gelernt hatte. Alle saßen in Manang fest und hatten nur eine Hoffnung: dass es bald aufhörte zu schneien. Aber es schneite ohne Ende. Inzwischen spielten auch die Hunde sowie Pferde und Yaks auf den Weiden verrückt. Ständig brachen weitere Äste von den Bäumen ab und hin und wieder hörte man den Abgang einer Lawine. Dieser Tag war geprägt durch enorme Geduld und der Zuversicht, dass es jeden Moment aufhören musste zu schneien. Aber es kam noch schlimmer. Unter der Schneelast brachen sämtliche Stromleitungen zusammen, so dass die Solarlampen in Betrieb genommen werden mussten. Diese gaben aber auch bald den Geist auf, denn ohne Sonne kein Solarlicht. Und die Hoffnung auf den Thorong La (5416) schwand auch, da inzwischen etliche Trekker, die bereits höher aufgestiegen waren, aufgrund der Schneemassen nach Manang zurück gekommen waren. Aber noch war ich optimistisch und ging, da keine Heizung und kein Licht, recht früh ins Bett.
Fr. 21.10.: Manang
Beim Aufwachen traute ich mich kaum, aus dem Fenster zu schauen. Aber, wie überraschend, es hatte aufgehört zu schneien. So entschloss ich mich, heute wenigstens nach Gunsang (3900), ein Dorf höher, zu steigen. In Manang herrschte Aufbruchstimmung, da die meisten die selbe Idee hatten, viele sich aber bereits zur Umkehr entschlossen, da ihre Zeit knapp wurde. Allerdings machte ich mir Sorgen um die Ausrüstung meines Guides. Seine Kleidung war alles andere als wintertauglich. Er meinte aber, das sei "no problem" und so packte ich meinen Rucksack und wir starteten gegen Mittag auf eine Etappe, die man normalerweise in 1 ½ Stunden schafft, für die bei diesen Wegverhältnissen aber gut drei Stunden notwendig seien, so die Wirtin des Hotels. Wir hatten noch nicht einmal das Dorfende erreicht, da fielen schon wieder Unmengen Schneeregen und mein Guide sah aus, als würde er diesen Tag nicht überleben. Ich war ziemlich sauer auf ihn, auf seine teure Agentur und auf das Wetter und beschloss nach 500 m die Umkehr und einen weiteren Tag Zwangspause in Manang. Langsam kamen in mir erste Zweifel auf, wann ich auf den Pass bzw. ob ich überhaupt dorthin kommen würde. Noch war ich aber fest entschlossen, auf keinen Fall umzukehren. Inzwischen war der Schneeregen in dichtes Schneetreiben über gegangen und die Nachricht kursierte, dass dieses Wetter noch weitere vier Tage anhalten sollte. Außerdem kam Tom, ein netter Engländer, den ich vor einigen Tagen kennen lernte, aus Yak Kharka (4018) zurück nach Manang und erzählte, dass der Schnee dort ca. 2 m hoch liege und der Thorong La für weitere sieben Tage nicht passierbar sei. Der einzige Lichtblick war die Solarfunzel, die inzwischen wieder Licht spendete. Nachdem sich alle Trekker aus unserem Hotel - wie die meisten in den anderen Hotels auch - zur Umkehr entschlossen, sah ich ein, dass dies auch für mich eine gute Entscheidung sei.
Sa 22.10.: Manang - Lower Pisang
Nach dem Aufstehen war der Himmel bedeckt, aber es schneite nicht. Da die meisten Trekker zurück gingen und ja gleichzeitig immer neue von unten hoch kamen, war Beeilung angesagt, denn die Betten in Pisang dürften heute heiß begehrt sein. Auf dem Weg lag der Schnee teilweise kniehoch, die vorgetrampelten Pfade waren zum Teil stark vereist und auf halber Strecke fing es wieder fürchterlich an zu schneien. Ich wollte nur noch so schnell wie möglich in Pisang ankommen und verzichtete deshalb auf dringend notwendige Pausen. Entsprechend erschöpft erreichte ich nach einem verdammt harten fünf-Stunden-Marsch das Tagesziel, wo ich gerade noch ein Zimmer bekam. Um den Ofen herrschte dichtes Gedränge, denn nicht nur mir war kalt und nicht nur meine Sachen waren pitschenass. Ich verteidigte aber meinen guten Platz, den ich dank meines Guides nie verlassen musste, da er mir Tee und Essen dorthin servierte. Da ich mich nicht besonders gut fühlte, ging ich früh zu Bett, konnte aber erst nachts um 01:00 Uhr einschlafen, da der Kanadier neben mir die halben Rocky Mountains absägte.
So 23.10.: Lower Pisang - Bhratang - Chame
Dieser Morgen war extrem unruhig, da die Kanadier um mich herum früh zu packen anfingen.
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Aber die Sonne schien und verwandelte die Gegend in ein postkartenreifes Motiv. Gestern noch total frustriert, hatte ich heute plötzlich wieder Spaß und freute mich auf den Tag und dass es bald wieder wärmer werden würde. Von Pisang ging es zunächst über Dhukure Pokhari nach Bhratang, wo es schon wieder so warm war, dass ich meine Thermounterwäsche auszog und im kurzärmeligen Hemd weiterging. Allerdings hatten wir zuvor noch mit etlichen Lawinen zu kämpfen. Entweder war der Weg verschüttet oder weggerissen oder durch die starken Niederschläge derart aufgeweicht, dass ein Begehen nicht möglich war und uns zu manchem kleinen Umweg oder Kletterpartie zwang. Durch die große Erfahrung und Umsichtigkeit meines Guides kamen wir beide jedoch unbeschadet durch diesen Tag. In Bhratang erfuhren wir, dass bei einem Lawinenunglück am Kang Guru 18 Menschen verschüttet wurden, elf Nepalis und sieben Europäer. Das machte mir ein wenig Sorgen, denn sicher würde sich meine Familie in Deutschland wiederum große Sorgen um mich machen, wenn sie davon in den Nachrichten hören würde. Jedenfalls erreichten wir wohlbehalten das Tagesziel Chame und hier fand ich sogar ein funktionierendes Telefon, von dem aus ich zu Hause anrief und Entwarnung gab. In Chame war das Lawinenunglück Tagesgespräch, die einen berichteten, dass unter den Opfern Belgier, wieder andere Franzosen und auch Deutsche seien. Außerdem hieß es, dass auf dem Weg zum Tilicho Lake etliche Trekker vermisst würden. Den ganzen Tag über flogen ununterbrochen Helikopter, um in Not geratene Bergsteiger und Trekker zu bergen. In der Lodge wurde recht früh der Ofen geheizt und elektrisches Licht brannte auch schon wieder, das aber andauernd ausfiel und so den Abend nur noch gemütlicher machte. (Später erfuhr ich, dass es sich bei den europäischen Lawinenopfern um Franzosen handelte. Außerdem waren in diesen Tagen auch über 300 Yaks auf den Weiden verhungert.)
Mo 24.10.: Chame - Danagyu - Dharapani
Die heutige Etappe führte uns über den Upper Way nach Danagyu und schließlich nach Dharapani. Wir kehrten in den schon bekannten Gasthäusern ein, wo wir immer voller Freude über unsere Unversehrtheit empfangen wurden. Durch den starken Regen war der Weg auch hier unten ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden und so ließ ich mir reichlich Zeit und machte ausgiebige Pausen. Dass ich den Thorong La nicht geschafft hatte, war inzwischen unwichtig geworden.
Di 25.10.: Dharapani - Tal - Chamje - Syanje
Trotz eines Wasserfalls hinter dem Hotel hatte ich gut geschlafen und bereits um 07:30 Uhr machten wir uns auf den weiteren Rückweg. Kurz hinter Tal legten wir einen Stopp ein, Lunch gab es in Chamje und dann um 15:30 Uhr stand er mir plötzlich gegenüber: Bhai, der Sirdar meiner Everesttour aus dem vergangenen Jahr. Er erkannte mich sofort und erinnerte sich daran, was ich vor eineinhalb Jahren versichert hatte, nämlich wiederzukommen. Wir befanden uns nun wieder in subtropischen Zonen und entsprechend heiß war dieser Tag und genauso verschwitzt kamen wir in Syanje an, wo ich mich riesig über die kalte Dusche freute. Und außerdem durchquerten wir wieder Maoistengebiet, aber auch heute wurde ich nicht zur Kasse gebeten. Den lauen Abend verbrachte ich mit einigen Franzosen auf der Veranda bei Kerzenschein, umringt von Limettenbäumen und zirpenden Grillen.
Mi 26.10.: Syanje - Bahundanda - Ngadi - Bhulbhule
Nachts um 01:00 Uhr regnete es, aber am Morgen war alles wieder trocken, jedoch hatte es merklich abgekühlt. Aber dann kam die Sonne und so lag ein heißer Rückweg über Bahundanda und Ngadi nach Bhulbhule vor uns, wo wir nach inzwischen einstündigem Regen pitschenass ankamen. Kaum war ich in meinem Zimmer, kam es sogar eimerweise runter, so dass ich auf eine Dusche verzichtete. Da es hier recht warm war, waren die dünnen Sommersachen schnell wieder getrocknet.
Do 27.10.: Bhulbhule - Khudi - Besisahar - Pokhara
Der letzte Trekkingtag hatte begonnen. Da ich sehr früh wach war, starteten wir auch zeitig und das war gut so, denn gegen 10:00 Uhr war es schon wieder gnadenlos heiß, als wir Besisahar erreichten. Von hier fuhren wir mit einem Local Bus nach Pokhara, in dem fünf Stunden lang indische Musik in voller Lautstärke dröhnte. Die einzige Abwechslung und Möglichkeit, die Füße zu vertreten, hatten wir am frühen Nachmittag, als ein Reifen platzte. Gegen 16:00 Uhr erreichten wir Pokhara, hier trennten sich die Wege von mir und meinem Guide.
Mein zweiter Versuch, die Annapurna-Runde zu gehen und dabei den Thorong La in 5 416 m Höhe zu überqueren, hat also auch in diesem Jahr aufgrund von noch nie dagewesenen Wetterkapriolen nicht geklappt. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, war diese Tour ein unvergessliches Erlebnis, auf das ich zurück blicke in großer Dankbarkeit, diese gigantische Natur mit ihren Gewalten erlebt haben zu dürfen und voller Respekt vor den Menschen und Tieren, die hier leben.
Rosi Gerlich
Ein Ereignis der Extraklasse erscheint mir noch kurz erwähnenswert: Am 05. und 06.11. reiste ich in einer abenteuerlichen Busfahrt nach Kattike, ein Dorf abseits jeglichen Tourismus, um die Shree Narayane Shwori School einzuweihen, für deren Bau ich mich engagiert hatte. Vor Bezug wurden die 65 Kinder in einer löchrigen Bambus-Stroh-Hütte
auf dem Erdboden sitzend unterrichtet. Heute steht hier ein massives Gebäude mit drei Klassenräumen und Schulbänken, das durch Initiative von www.nepalkids.de entstanden ist. Jetzt fehlt es noch an Trinkwasser, einer Toilette sowie Büchern, Papier und Stiften.
Wer einen Obolus dazu beitragen möchte, findet die Bankverbindung : Anette Wollner, KtoNr. 4565177600, Blz 30060992 sowie weitere Informationen auf dieser Homepage :
www.nepalkids.de

Foto v. l.: Baburam (einziger Lehrer für 65 Kinder), Rosi, Hari (unser Mann vor Ort), Shyamraj (Spender des Grundstücks) mit seinen Enkelkindern
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